Madeira
Nachdem ich Madeira im Rahmen einer Kreuzfahrt für einen Tag kennenlernen konnte, war es endlich an der Zeit dieser schönen Insel im Atlantik einen längeren Besuch abzustatten. Vom 14.06. bis 22.06. war eine Woche Sommerurlaub in Portugal geplant.
Die Blumeninsel
Wenn der Juni auf Madeira Einzug hält, verwandelt sich die Insel in ein lebendiges Gemälde. Die milden Temperaturen und die hohe Luftfeuchtigkeit der Passatwinde schaffen ideale Bedingungen für eine Flora, die in Europa ihresgleichen sucht. Wer in diesem Monat die Insel erkundet, begegnet einer Farbgewalt, die besonders durch zwei ikonische Pflanzen geprägt wird.
Das Wahrzeichen: Die Afrikanische Liebesblume (Agapanthus)
Nichts prägt das Landschaftsbild im Juni so sehr wie der Agapanthus. Die langen Alleen und Wanderwege entlang der Levadas sind nun gesäumt von den markanten, kugelförmigen Blütenständen in sattem Blau und reinem Weiß. Besonders auf den Fahrten in die höher gelegenen Regionen bilden sie einen faszinierenden Kontrast zum tiefen Grün der Farne und dem Blau des Atlantiks.
Exotik pur: Die Strelitzie
Die Strelitzie (Strelitzia reginae), auch Paradiesvogelblume genannt, ist das botanische Symbol Madeiras. Im Juni erreicht sie einen ihrer Blühhöhepunkte. Mit ihrer außergewöhnlichen Form, die an den Kopf eines exotischen Vogels erinnert, und den leuchtend orange-blauen Blättern ist sie ein dankbares Motiv für jede Dokumentation. Man findet sie nicht nur in den perfekt gepflegten botanischen Gärten von Funchal, sondern oft auch wild an Wegrändern und in privaten Gärten.
Die Madeira Aschenblume – Pericallis aurita
„Wer die Levadas im Inselinneren entlangwandert, stößt im Juni unweigerlich auf die leuchtend violetten Farbtupfer der Pericallis aurita. Diese endemische Schönheit schmiegt sich an die feuchten Felswände des Lorbeerwaldes und bildet einen fast magischen Kontrast zum tiefen Grün der Moose und Farne.“
Mexican Devil – Ageratina adenophora
„Neben den seltenen, endemischen Arten wie der violetten Pericallis aurita begegnet man auf Madeira im Juni auch der Ageratina. Ihre weißen Blütenwolken mögen zwar malerisch aussehen, doch sie erzählen die Geschichte einer invasiven Eroberin aus Mexiko, die heute fast jeden Winkel der Insel besiedelt hat.“. Der Deutsche Name ist „Drüsiger Wasserdost“.











Aeonium „Short Black“
„Zwischen all der farbenfrohen Blütenpracht des Junis setzen Sukkulenten wie die Aeonium ‚Short Black‘ fast mystische Akzente. Ihre geometrisch perfekten Rosetten wirken in ihrem tiefen Dunkelviolett beinahe wie aus Samt geschnitten und bilden einen scharfen Kontrast zu den leuchtend gelben Blütensternen, die im Juni aus ihrer Mitte emporwachsen.“
Der Stolz von Madeira: Der Massige Natternkopf
Ein absolutes Highlight jeder botanischen Entdeckungstour im Juni ist der Madeira-Natternkopf. Diese endemische Pflanze ist ein wahrer Überlebenskünstler und thront oft auf exponierten Felsvorsprüngen oder schmückt die Hänge entlang der Gebirgsstraßen. Er bildet riesige, kerzenartige Blütenstände aus, die bis zu 30 cm lang werden können. Jede dieser „Kerzen“ besteht aus hunderten winziger, tiefblauer bis violetter Einzelblüten, aus denen die rötlichen Staubblätter wie kleine Natternzungen herausragen – daher auch der Name. Das intensive Blau des Natternkopfs scheint im Juni mit dem Azurblau des Atlantiks um die Wette zu leuchten.
Das blaue Band der Insel: Die Schmucklilie
Wenn es eine Pflanze gibt, die das Landschaftsbild Madeiras im Juni dominiert, dann ist es die Schmucklilie. Ursprünglich aus Südafrika stammend, hat sie sich auf der Insel so wohlgefühlt, dass sie heute fast wie eine Einheimische wirkt. Besonders charakteristisch sind die kilometerlangen, dichten Reihen entlang der Wanderwege und Landstraßen. Im Juni öffnen sich die großen, kugelrunden Blütenstände und bilden ein leuchtend blaues oder strahlend weißes Band, das die sattgrünen Hänge durchzieht.
Im Reich der Nebelgeister: Lagoa de Fanal
Wer die Küstenorte verlässt und in die höheren Lagen vordringt (besonders in Gebiete wie Fanal oder Ribeiro Frio), taucht in eine Szenerie ein, die wie aus der Zeit gefallen wirkt. Der Laurisilva ist ein lebendes Fossil – ein Überbleibsel der subtropischen Wälder, die vor Millionen von Jahren weite Teile Südeuropas bedeckten.
Eine Atmosphäre der Stille und Mystik
Das prägende Element dieses Waldes ist der Nebel. Die Passatwolken bleiben oft an den Nordhängen hängen und ziehen als feine Schleier durch die uralten, knorrigen Bäume. In diesen Momenten verstummen die Geräusche der Außenwelt, und die Sichtweite schrumpft auf wenige Meter. Es entsteht eine fast ehrfürchtige Stille.
Die Bäume im Nebelwald sind wahre Charakterköpfe:
- Knorrige Gestalten: Besonders die Jahrhunderte alten Stinklorbeerbäume (Ocotea foetens) in der Region Fanal wirken mit ihren bizarren, verdrehten Stämmen wie erstarrte Wesen aus einem Fantasy-Roman.
- Das grüne Gewand: Fast jede Oberfläche ist hier mit Leben bedeckt. Dicke, weiche Moosteppiche polstern die Stämme ab, während lange Bartflechten von den Ästen herabhängen und wie graue Schleier im Wind wehen. Dies ist ein Zeichen für die extrem reine und feuchte Luft.
- Filigrane Farne: Im Unterholz dominieren riesige Farne, die teilweise mannshoch werden und dem Wald einen prähistorischen, dschungelartigen Look verleihen.








Sommer, Sonne, Stein und Meer






In unserem Hotel erwartete uns jeden Abend die ‚Hausdame‘ Tascha. Anfangs noch eher vorsichtig, erwartete sie uns nach unseren Ausflügen schon bald sehnsüchtig – vor allem, nachdem ich damit begonnen hatte, sie ausgiebig mit Katzenfutter zu verwöhnen. Ich finde, sie ist eine ausgesprochen schöne Katze mit einer sehr interessanten Fellzeichnung.




Funchal
Funchal ist die Hauptstadt Madeiras – bekannt für das Hotel CR7 (eher unspektakulär) und den ebenfalls nach Cristiano Ronaldo benannten Flughafen (sehr spektakulär). Die schönsten Ecken der Stadt sind jedoch die Uferpromenade, die Markthalle sowie natürlich die Fahrt mit der Seilbahn hinauf nach Monte. Von hier oben aus kann man einen Teil der Strecke zurück in die Stadt mit den berühmten Korbschlitten zurücklegen.
Sicherlich nichts für eilige Gemüter, denn wir mussten knapp eine Stunde in der Warteschlange verbringen. Die Schlitten sausen, gesteuert von den „Carreiros“ auf Holzkufen, die Straßen hinab. Durch die unzähligen Fahrten ist der Asphalt bereits spiegelglatt poliert und bietet kaum noch Widerstand. Mal rasant, mal gemütlich durch die Carreiros geschoben oder gezogen, endet die etwa 15-minütige Fahrt leider viel zu schnell. Während die Schlitten auf kleinen LKWs und die Carreiros per Bus wieder nach oben transportiert wurden, wo das Spektakel von vorn beginnt, sind wir zu Fuß über die steilen Gassen zurück nach Funchal hinuntergelaufen.



Der Markt von Funchal
Der Markt von Funchal, untergebracht in den Hallen von „Mercado dos Lavradores“ ist ein Genuss für alle Sinne und vor allem für die Kreativität eines Fotografen. Hier trifft ein buntes Blumenangebot auf vielfältige Obst- und Gemüsestände und, etwas abseits gelegen, findet man auch die Fischhalle, die ich immer besonders liebe. Ok, hier gab es jetzt keine Fischbrötchen. Dafür aber den auf Madeira geliebten schwarzen Degenfisch.















Die Lebensadern von Madeira – die Levadas
„Was wäre ein Besuch auf Madeira ohne eine Wanderung entlang der spektakulären Levadas? Wir haben gleich zwei dieser geschichtsträchtigen Wasserwege besucht. Das Schöne an diesen Pfaden ist, dass sie mitten durch die zerklüftete Bergwelt und die mystischen Wälder führen, ohne dass man dabei große Höhenunterschiede überwinden muss.
Da die Levadas das kostbare Wasser aus den niederschlagsreichen Bergregionen des Nordens sammeln und zur Bewässerung der Landwirtschaft in die trockeneren Küstenregionen des Südens leiten, folgen sie mit einem minimalen Gefälle stetig den Konturen der Hänge. Es ist tief beeindruckend zu sehen, mit welch enormem Aufwand diese schmalen Kanäle einst in den nackten Fels gehauen wurden. Was früher eine lebensnotwendige Ingenieursleistung für die Zuckerrohr- und Weinbauern war, erlaubt uns heute, die unberührte Natur der Insel fast mühelos zu Fuß zu erkunden.“
Oft führen die Pfade durch schmale Tunnel oder schmiegen sich direkt an steile Felswände, wobei die Levadeiros (die Instandhalter der Kanäle) früher nur schmale Stege zur Wartung zur Verfügung hatten. Das stete, beruhigende Plätschern des Wassers ist der treue Begleiter auf diesen Wegen und bildet den Soundtrack zu einer Wanderung durch das tiefe Grün des Laurisilva.
Levada do Moinho
Ein besonderes Highlight unserer Wanderungen war die Levada do Moinho im Südwesten der Insel bei Lombada da Ponta do Sol. Was diesen Weg so reizvoll macht, ist seine Geschichte: Namensgebend sind die Ruinen alter Wassermühlen, die einst durch die Kraft dieser Levada angetrieben wurden. Die Wanderung beginnt recht sanft und führt zunächst entlang terrassierter Felder, auf denen im Juni Bananen und Passionsfrüchte in der Sonne reifen. Es ist faszinierend zu beobachten, wie das Wasser der Levada auch heute noch kunstvoll in die privaten Gärten der Anwohner abgeleitet wird. Je tiefer man in das Tal des Ribeira da Ponta do Sol vordringt, desto wilder wird die Szenerie. Die Levada schmiegt sich hier eng an die massiven, rötlichen Felswände. Da der Pfad oft direkt in den Stein gehauen wurde, bieten sich dramatische Ausblicke in die Tiefe des Tals, ohne dass man dabei steile Anstiege bewältigen muss. Das Besondere an dieser Tour ist die Möglichkeit, sie als Rundweg mit der höher gelegenen Levada Nova zu kombinieren. Während die Levada do Moinho eher schattig und am Talhang verläuft, führt der Rückweg auf der Nova oft durch offeneres Gelände mit weiten Panoramablicken über den Atlantik.









In den Bergen von Madeira
Madeira, oft als „Insel des ewigen Frühlings“ bezeichnet, offenbart in ihrer zentralen Bergwelt eine dramatische Vertikalität, die einen scharfen Kontrast zur sanften Küstenlinie bildet. Wer das Hochgebirge zwischen dem Pico do Arieiro und dem Pico Ruivo betritt, findet sich in einer Landschaft wieder, die gleichermaßen rau wie farbenfroh ist. Das Herzstück der Insel wird von gewaltigen vulkanischen Formationen dominiert. Die schroffen Felsen ragen hier oft senkrecht in die Höhe, geprägt von jahrtausendelanger Erosion, die tiefe Schluchten und messerscharfe Grate geformt hat. Diese Gesteinsformationen leuchten je nach Sonnenstand in dunklen Ocker- oder rötlichen Basalttönen und verleihen der Szenerie eine fast archaische Wildheit.









Dank der Lage im Atlantik und der sauberen Höhenluft erstrahlt der blaue Himmel über den Gipfeln oft in einer Intensität, die die Konturen der Berge messerscharf abhebt. Häufig wandert man oberhalb einer geschlossenen Wolkendecke, die wie ein weißes Meer unter den Füßen liegt, während oben strahlender Sonnenschein herrscht. In den tieferen Lagen und an den geschützten Hängen der Gebirgsketten trifft man auf das charakteristische gelbe Blütenmeer. Vor allem der leuchtende Ginster (Piorno) und der Hornklee überziehen weite Flächen mit einem goldenen Teppich.
Die „steinernen Zeugen“ von Caniçal: Madeiras Lavabomben
Wer die schroffe Halbinsel Ponta de São Lourenço bei Caniçal erkundet, wandert durch eine Landschaft, die so gar nicht zum restlichen „Garten Eden“ Madeiras passen will. Hier dominieren Ocker- und Rottöne, und der Wind peitscht über karge Hänge. Doch wer den Blick senkt, entdeckt eines der spannendsten geologischen Details der Insel: die Lavabomben. Die „steinernen Zeugen“ von Caniçal: Madeiras Lavabomben
Wer die schroffe Halbinsel Ponta de São Lourenço bei Caniçal erkundet, wandert durch eine Landschaft, die so gar nicht zum restlichen „Garten Eden“ Madeiras passen will. Hier dominieren Ocker- und Rottöne, und der Wind peitscht über karge Hänge. Doch wer den Blick senkt, entdeckt eines der spannendsten geologischen Details der Insel: die Lavabomben. Diese bizarren Gebilde sind keine gewöhnlichen Steine, sondern die Relikte gewaltiger Explosionen, die sich vor Jahrmillionen im Osten Madeiras abspielten. Wenn ein Vulkan aktiv ist, schleudert er nicht nur flüssige Lavaströme aus, sondern schießt bei gasreichen Eruptionen auch glühende Gesteinsbrocken – sogenanntes Magma – hunderte Meter hoch in den Himmel. Während die glühende Masse durch die Luft wirbelte, kühlte sie von außen nach innen ab. Durch die Rotation und den Luftwiderstand erhielten viele Bomben ihre charakteristische, oft spindel- oder brotlaibartige Form. Achtet man auf die Details, erkennt man oft eine rissige Oberfläche. Diese entsteht, wenn die äußere Hülle bereits erstarrt ist, während das noch heiße Innere der Bombe beim Abkühlen schrumpft – genau wie bei einer frisch gebackenen Brotkruste.





Achtet man auf die Details, erkennt man oft eine rissige Oberfläche. Diese entsteht, wenn die äußere Hülle bereits erstarrt ist, während das noch heiße Innere der Bombe beim Abkühlen schrumpft – genau wie bei einer frisch gebackenen Brotkruste.
Zum Abschluss ein paar Bilder aus der bekannten Rua de Santa Maria, dem Herzstück der Altstadt von Funchal. Hier haben es mir vor allem die bunten Tür- und Fassadenmalereien angetan – ein Gemälde schöner als das andere. Hier ist eine kleine Auswahl davon.






