Kalifornien und Arizona – einmal anders

Ja, ich habe ein Faible für Natur, Landschaft und Technik. Was sich erstmal nach einem Widerspruch anhört, lässt sich in der Fotografie aber sehr schön vereinen. Und so kam es, dass ich bei meinem diesjährigen Urlaub in Kalifornien und Arizona die großen Städte wie Los Angeles, Phoenix und San Diego quasi links liegen gelassen habe. Wer an dieser Stelle also Aufnahmen von Hollywood, Disneyland oder Malibu Beach erwartet, kann damit direkt aufhören weiterzulesen.

Die USA ist ein Eisenbahnland

… wenn man ein Frachtcontainer ist 😉 Nennenswerter Personenverkehr ist in den USA, insbesondere im Westen der USA, quasi nicht existent. Dafür findet man allerorten gigantische Diesellokomotiven in typisch amerikanischer Bauart mit ihrem unverwechselbaren Sound. Das ganze Land wird durchquert von oftmals 100 Wagons und mehr zählenden Güterzügen, gezogen von gleich ganzen Lokomotivgespannen. Und wo die Zugkraft nicht ausreicht, findet man inmitten des Zuges oder am Ende weitere Lokomotiven zur Unterstützung. Es gibt in ganz USA einige bei Trainspottern sehr bekannte Orte, die diese imposanten Züge inmitten einer grandiosen Landschaft präsentieren. Einer dieser Orte liegt nordöstlich von Los Angeles – Cajon Pass mit der Sullivan’s Curve in der Zufahrt von Westen.

Die Bilder oben zeigen einen Containerzug, angeführt von BNSF 6720, einer GE Transportation Systems (GETS) ES44C4. Von dieser Baureihe wurden 1323 Exemplare gebaut. Sie ist damit also recht häufig in den USA anzutreffen. Diese dieselelektrische Lok bezieht ihren Fahrstrom für die vier elektrischen Antriebsmotoren aus einem 12-Zylinder Dieselmotor mit zwei Abgasturboladern. Großartiger Sound am Berg.

Das Gespann wird komplettiert durch BNSF 5309, BNSF 5523 und BNSF 4322. Am Ende des Zuges schoben BNSF 6859 und BNSF 3750. Die Bilder zeigen den von Los Angeles kommenden Zug in grandioser Landschaft kurz vor dem Erreichen des Cajon Pass.

Ein weiterer Güterzug, gezogen von BNSF 6743, BNSF 7200, BNSF 4267 und BNSF 3869, erreicht den Pass.

Nach getaner Arbeit fahren BNSF 6859 und BNSF 3750 wieder talwärts, um dem nächsten Zug beim Aufstieg Schubhilfe zu leisten.

Neben BNSF wird die Strecke auch von der Union Pacific genutzt. Hier ein talwärts fahrender Güterzug, gezogen von UP 8736, UP 3024 und UP 6647.

Ein Besuch bei Cajon Pass lohnt sich immer. Da die Strecke mit mehr als 100 Zügen täglich sehr stark frequentiert ist, lässt das nächste Fotomotiv auch nicht lange auf sich warten. Richtig klasse fand ich auch das wechselnde Licht mit dem „harten“ Licht über die Mittagszeit für kontrastreiche und farbige Aufnahmen und der goldenen Stunde am Abend zum Tagesausklang.

Oben ein Union Pacific Gespann, bestehend aus UP 6821, UP 8234 und UP 7285 auf talwärts Fahrt bei Mormon Rocks an der 138.

Noch einmal das Union Pacific Gespann bei Mormon Rocks – großartige Landschaft, kräftige Farben, geniale Lokomotiven: Führungsgespann UP 6821, UP 8234 und UP 7285 und mitten drin zur Unterstützung UP 8065, UP 6866 und UP 8239.

Leider habe ich im Nachhinein betrachtet zu wenig Zeit hier verbracht. Es hätte sicherlich noch weitere schöne Motive gegeben. Insbesondere war ich leider nicht direkt bei der „berühmten“ Sullivan’s Curve, sondern nur an der Strecke. Ich werde mir daher diesen Fotospott für die Zukunft merken. Zudem ist es von hier nicht weit (ca. 185 km) bis zur ebenfalls berühmten Tehachapi Loop.

Selbstverständlich bin ich auch wegen der Flugzeugfotografie nach Los Angeles geflogen. Hier gibt es sehr schöne Spots und interessante Flugzeuge. Diese befinden sich, wie immer, auf meiner Webseite spottair.de. Neben dem reinen Planespotting gab es aber auch ein paar interessante Begebenheiten, die ich hier erwähnen möchte. Da wäre zum einen der Stratolauncher, der aktuell am Mojave Air & Spaceport abgestellt ist. Ein auf der Welt bislang einzigartiges Flugzeug mit 2 Rümpfen und der Technologie zweier Boeing 747 als Teilespender. Der Stratolauncher wurde kurzzeitig als Trägerflugzeug für das unbemannte Talon-A Hyperschallflugzeug verwendet. Leider war mir die Sicht durch den Sicherheitszaun etwas versperrt.

Außerdem noch etwas „Beifang“, ebenfalls gesehen auf dem Mojave Air & Spaceport:

Eine andere nette Begegnung hatte ich am Chino Airport beim Yanks Air Museum. Hier traf ich auf eine der letzten beiden flugfähigen Boeing B-29 Superfortress, „DOC“, Registrierung N69972. Die Maschine wurde gerade gewartet und für Rundflüge vorbereitet, die in den kommenden Tagen stattfinden sollten. Ich durfte ausnahmsweise auf das Vorfeld um ein paar Aufnahmen zu machen.

Aber auch ohne die B-29 ist das Yanks Air Museum einen Besuch wert. Neben den vielen Exponaten in den Hallen, ist es ausdrücklich erlaubt hier auch im „Boneyard“ herumspazieren um die dort gelagerten Flugzeuge und Flugzeugteile ansehen und anfassen. Richtig cool diesen Relikten der Luftfahrt so nahe zu kommen.

Nach fünf Tagen im Großraum Los Angeles ging es weiter mit dem Auto nach Tucson zu meiner Schwester. Sieben Stunden Fahrt durch die Wüste. Tja, was kann man da schon erwarten. Zum Beispiel eine Staffel Bell-Boeing V-22 „Osprey“ vom US Marine Corps, die mächtig Staub aufgewirbelt hat. Ich hatte die schon aus der Entfernung lange vor mir entlang der Interstate 10 auf dem Blythe Airport landen sehen. Leider sind die nur für eine kleine Zwischenlandung ca. 10 Minuten dort geblieben und ich konnte die nur noch beim Start fotografieren. Also schnell die Nikon rausgeholt. Zum Glück ist der Flughafen dort lediglich durch einen sehr niedrigen Stacheldrahtzaun gesichert, sodass die folgenden eindrucksvollen Aufnahmen entstanden sind.

Tucson selbst ist für Luftfahrtfans ein kleines Mekka, gibt es dort doch gleich mehrere Attraktionen: Die Davis-Monthan Air Force Base, das Pima Air & Space Museum und, etwas südlich, das Titan Missile Museum.

Titan Missile Museum

Pima Air & Space Museum

B-52

B-52

Hier schreibt jedes Exponat seine eigene Geschichte. Wie zum Beispiel die oben abgebildeten:

N747GE – Ein Testträger für verschiedene Triebwerksentwicklungen von General Electric. Ursprünglich unter N744PA als „Clipper Star of the Union“ (1970 – 1982) und „Clipper Ocean Spray“ (1982 – 1992) für die ehemalige Pan Am im Einsatz, diente die 747 ab 1992 als Testträger unter anderem für das General Electric Triebwerk GE90, welches später bei der Boeing 777 zum Einsatz kam.

B-HNL – Die erste gebaute Boeing 777, Seriennummer 27116 LN:1 mit Erstflug am 12.06.1994, flog 6 1/2 Jahre bei Boeing als Prototyp, bevor sie ab dem 06.12.2000 bei Cathay Pacific zum Einsatz kam. Knapp 18 Jahre diente sie dort und fand letztendlich ihr Ende wieder in den USA im Pima Air & Space Museum.

N220AU – Die zweite von McDonnell Douglas gebaute DC 10-10 (Erstflug 17.12.1972) war anfangs als Prototyp unterwegs, bevor sie nach einigen Zwischenstationen bei Laker Airways, American Trans Air, Cal Air International und Nova International Airways zu Orbis kam, wo sie zu einer fliegenden Augenklinik umgebaut wurde. 2016 wurde das Flugzeug ausgemustert und dem Pima Air & Space Museum als Exponat übergeben.

N747NA – Noch eine weitere ehemalige Pan Am 747 ist hier zu bewundern. Die ehemalige „Clipper Lindbergh“, die ihren Erstflug am 25.04.1977 hatte und nach Pan Am zwischenzeitlich bei United Airlines in Betrieb war, wurde von 2010 bis 2022 als Stratosphären-Observatorium für Infrarot-Astronomie (SOFIA) genutzt. Ihr letzter Flug führte sie dann am 13.12.2022 ins Pima Air & Space Museum.

52-003 aka 0-20003: Die Boeing NB-52A Stratofortress mit dem Namen „The High and Mighty One“ ist die älteste noch erhaltene B-52. Das Exponat zeigt sie gemäß ihrer letzten Verwendung als Träger/Startflugzeug für das Raketenflugzeug North American X-15. Die Idee, Raketenflugzeuge mit „konventionellen“ Flugzeugen bis auf Höhen von 12 km -13,7 km (FL40 – FL45) zu tragen, wurde mit der NB-52 das erste Mal verfolgt. Die X-15 erreichte anschließend, angetrieben durch einen Raketentriebwerk mit Flüssigtreibstoff, in der Regel Höhen von 80 km bis 100 km. Die Maximale Höhe der X-15, die hier im Bild unter der rechten Tragfläche der NB-52 zu sehen ist, betrug 107,96 km.

Exponate in den Hallen

Plane Art

Halloween in Tucson

Southeast Regional Park Shooting Range

Auch in diesem USA Urlaub hat es mich wieder auf eine „Range“ verschlagen. Das Arsenal meiner Schwester in Tucson bot genügend Auswahl. Meine Lieblingswaffe darunter ist das AR-15, modifiziert mit einer Nikon Zieloptik und einer High Perfomance Mündungsbremse. Nach der Reinigung und einer leichten Ölung der mechanischen Teile zogen wir, bestückt mit 250 Schuss 5,56 x 45 mm Nato (.223 Remington) Munition, los zur Southeast Regional Park Shooting Range, einer Outdoor Range im Südosten von Tucson. Wir hatten einen ganz tollen Vormittag bei angenehmen 35 Grad im Schatten. Die Waffe ist unglaublich zielgenau und mit der Nikon Optik 100% treffsicher auf 200 Yards (182 m).

Yuma Airport

In Yuma hat es mich selbstverständlich direkt zum Yuma International Airport geführt, der auch eine Air Station des Marine Corps beheimatet. Ich wollte mich da nicht lange aufhalten, aber trotzdem sind mir diese Aufnahmen gelungen.

El Centro Naval Air Facility

Gleich hinter Calexico erreicht man El Centro, Standort eines Flughafens der US Navy mitten in der Wüste. Nun gut, Wüstenschiffe habe ich keine gesehen, aber dafür eine Bell-Boeing V-22 „Osprey“ bei Landeübungen. Die Gelegenheit eines Abstechers von der I-8 zum Stützpunkt konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Und hier war ich dann richtig froh, dass ich einen F-150 gemietet hatte, denn der Spotting Point am Zaun der Navy-Basis konnte nur über einen Feldweg erreicht werden.

Auch der schönste Urlaub neigt sich irgendwann mal seinem Ende zu und ich musste langsam wieder Richtung Kalifornien aufbrechen, da ich den Rückflug wegen der guten Direktverbindung auch von Los Angeles gebucht hatte. Den Rückweg wollte ich allerdings über San Diego nehmen. Hier hatte ich mir unterwegs ein paar kleine Highlights ausgesucht, wo ich noch vorbeischauen wollte.

The Old Highway 80

Der „Old Highway 80“ ist eine historische, ehemalige transkontinentale US-Route von Savannah, Georgia, nach San Diego, Kalifornien, die als eine der ersten allwettertauglichen Verbindungen der USA diente und heute teilweise als „Historic U.S. Route 80“ ausgewiesen oder als verlassene Abschnitte mit historischen Stätten und Ruinen in Kalifornien, Arizona und New Mexico zu erkunden ist. Sie wurde durch Interstates (wie I-8) ersetzt. Ich bin dieser Route von Boulder Park über Jacumba, Boulder Oaks, Pine Valley, Guatay und Descanso nach San Diego gefolgt. Eine schöne Landschaft, die ich in den folgenden Bildern ein wenig festgehalten habe. Ich muss sagen, ich habe die Ruhe und Einsamkeit in dieser Landschaft sehr genossen.

In Boulder Park war mein Startpunkt der Historic U.S. Route 80. Hier steht der Desert View Tower, der von einem kleinen Hund bewacht wird. Von hier aus hat man einen absolut beeindruckenden Blick Richtung Osten (Jacumba Wilderness, Ocotillo). Das Herrchen vom „Turmwächter“ hat mir vor meiner Weiterfahrt auch gleich noch netterweise ein paar Tipps für San Diego mitgegeben.

San Diego

San Diego ist ganz nett und ja, die folgenden Aufnahmen zeigen die Innenstadt an einem Wochentag- Fast nichts los. Man könnte fast meinen die Stadt wäre ausgestorben. Etwas befremdlich, aber im Gegensatz zum überlaufenen Los Angeles eine Wohltat. Einen Parkplatz zu finden war niemals ein Problem. Ich wollte ursprünglich auch gerne zum Cabrillo National Monument, aber der Park war wegen des inzwischen ausgerufenen „Shutdowns“ leider geschlossen. So blieb mir ein Spaziergang zum Santa Fe Bahnhof, ein Besuch im Schifffahrtsmuseum und ein Abstecher nach La Jolla, einem absolut sehenswerten Vorort mit einer recht großen Seelöwenpopulation.

La Jolla Coves

La Jolla hat ja durchaus eine ganz nette Innenstadt mit vielen Shops und Restaurants. Aber die eigentliche Attraktion ist sicher der Küstenabschnitt, an dem die Seelöwen, Pelikane und Möwen die Sonne genießen. Hier kommt man den Tieren ganz nah und es bieten sich sehr schöne Fotomotive. Besonders die Seelöwen sahen beim Sonnenbad schon sehr zufrieden aus.

Zwei interessante Wochen haben wieder mal viel zu Schnell zu einem Ende gefunden. Ein Urlaub begleitet, von netten Begegnungen mit anderen Planespottern, Kontrollen durch die Millitärpolizei und einem aufeinandertreffen mit einem etwas rasanten Kolumbianer. Einem Urlaub mit knapp 4000 gefahrenen Kilometern in einem tollen, durch und durch amerikanischen Auto. Und das alles inmitten einer grandiosen Landschaft.