Hội An und Huế
UNESCO-Weltkulturerbe, Schneider-Mekka und Lampionstadt: Hội An trägt viele Namen. Die Stadt blickt auf eine bewegte Geschichte als einer der wichtigsten Handelshäfen Asiens zurück, was sich heute noch in der einzigartigen Mischung aus japanischer, chinesischer und französischer Architektur widerspiegelt. Doch jenseits der bekannten Sehenswürdigkeiten wie der Japanischen Brücke „Chùa Cầu“ wartet ein ganz eigenes Lebensgefühl auf seine Entdeckung. Hier durften wir eigene Lampions basteln, uns einer Fußmassage hingeben und selber vietnamesisch kochen lernen. Viel zu erleben also in so kurzer Zeit.
Hội An war während der französischen Kolonialzeit ein wichtiges Verwaltungszentrum, und das spiegelt sich bis heute in den Fassaden wider. Man erkennt den Stil sofort an den charakteristischen Merkmalen:
- Die Fensterläden: Meist in tiefem Dunkelgrün oder kräftigem Blau gehalten, bilden sie einen perfekten Kontrast zu den sonnengelben Wänden.
- Hohe Decken & Balkone: Die Bauweise mit hohen Räumen und verzierten gusseisernen Balkonen war die Antwort der Europäer auf das tropische Klima Vietnams – elegant und funktional zugleich.
- Die Patina: Besonders fotogen ist der leichte Verfall – dort, wo der Putz etwas bröckelt und die Geschichte der Jahrzehnte sichtbar wird, entfaltet Hoi An seine ganze Melancholie.
Heute beherbergen diese historischen Gebäude oft charmante Cafés oder kleine Boutiquen. Es lohnt sich, einen Moment innezuhalten, einen Cà Phê Muối (Salzkaffee) zu trinken und die Details der Fensterbögen und Stuckverzierungen zu bewundern. Es ist diese einzigartige Verschmelzung aus europäischer Eleganz und vietnamesischer Gelassenheit, die Hội An so zeitlos wirken lässt.





Chùa Cầu & Hội An Markt
Unser Guide führte uns in aller Ruhe tagsüber durch die Gassen und hatte dabei allerhand über dieses Schmuckstück in Zentralvietnam zu erzählen. Daneben blieb auch noch genügend Zeit, das eine oder andere Souvenir in einem der vielen Shops zu erwerben.

Maison commune des chinois de canton



La Riva An Bang Italian Restaurant & Bar
Unser Ziel war ein kleines Lampiongeschäft, wo wir gelernt haben, selbst eine der hübschen kleinen Lampen zu basteln. Der Rahmen war allerdings schon fertig, sodass unsere Aufgabe aus dem Aussuchen des passenden Seidenstoffes und dem Bespannen bestand. Das war allerdings schon knifflig genug. Mein erstes Ergebnis hat mich jedoch überzeugt und hängt heute bei mir zu Hause.
Anschließend brachte unser Bus uns zu einem riesigen Gemüsegarten, wo verschiedene Parzellen mit unterschiedlichstem heimischem Gemüse und Kräutern bepflanzt waren. Nach dem „langen“ Fußmarsch durch die Stadt erhielten wir hier eine richtig gute Fußmassage. Das hätte ich ewig so weitermachen können – wenn da nicht so langsam der kleine Hunger angeklopft hätte. Und an dieser Stelle schlug erbarmungslos der nächste Programmpunkt zu: Kochen lernen in der vietnamesischen Küche! Oha – das konnte ja lustig werden. Ich habe mich direkt als Fotograf geoutet und mich dem künstlerischen Handwerk des „Anbrennen-Lassens von Omeletts“ entzogen. Hat super funktioniert! Und wer nun denkt, ich hätte nichts zu essen bekommen: falsch! Ich bekam das Omelett der Küchenfee, die den Kurs geleitet hat. 😉



Den Nachmittag, den wir frei hatten, nutzte ich für eine Thaimassage, die gleich in der Nähe unseres erstklassigen Hotels angeboten wurde. Eine Stunde Massage zum Spottpreis, inklusive Fußwaschung vorher und Wassermelone hinterher. Tja, und dummerweise entdeckte die freundliche Masseurin dann auch gleich meine Verspannungen von der vielen Büroarbeit im Nackenbereich. Nun ja, ich glaube, ein bisschen Masochismus gehört schon dazu, sich in solch erfahrene Hände zu begeben. Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob ich nach der Massage eher Entspannung oder doch Fluchtgefühle hegte. Auf jeden Fall hatte ich danach wieder Hunger. 😊





Hội An wird nicht umsonst die Stadt der Lampions genannt. Sobald die Dämmerung einsetzt, verwandeln tausende bunte Seidenlaternen die Altstadt in ein magisches Lichtermeer. Was lag also näher, als in die Stadt zum Essen zu gehen und dabei die bunten Lampions zu sehen.






Auf dem Sông Thu Bồn fuhren viele, bunt beleuchtete Flussboote, begleitet von der Musik der Restaurants und Straßenmusikern entlang des Flusses. In der Stadt setzte sich das bunte Treiben fort und zum Glück ist in der Innenstadt das Fahren mit Motorrollern verboten, sodass man hier ganz gemütlich durch die Straßen schlendern kann.

Von Hội An nach Huế

Nach dem bunten Lichtermeer von Hội An war Huế unser nächster logischer Stopp – und der Kontrast könnte kaum größer sein. Während Hội An verspielt und lebhaft ist, wirkt Huế wie die elegante, etwas melancholische „alte Dame“ Vietnams.
Der Weg führte uns über Đà Nẵng (vorbei an der Drachenbrücke Cầu Rồng) und den Wolkenpass. Der Wolkenpass ist zwar ganz nett, aber für alle, die Alpenpässe kennen, nicht unbedingt ein „Must-see“. Das Wetter dort machte dem Namen des Passes zudem alle Ehre.



„Wenn es einen Ort in Vietnam gibt, an dem die Geschichte in jeder Brise mitschwingt, dann ist es Huế. Als ehemalige Hauptstadt der Nguyen-Dynastie ist die Stadt am Parfüm-Fluss das kulturelle und spirituelle Herz des Landes. Hier geht es weniger um das Chaos der Großstädte, sondern um die stille Pracht der Kaiserzeit. Zwischen den mächtigen Mauern der Zitadelle und den prunkvollen Grabanlagen fühlt man sich unweigerlich in eine Zeit zurückversetzt, in der Kaiser den Alltag bestimmten.“
Am Ufer des Sông Hương, dem berühmten Parfüm-Fluss, erwartete uns eines der ikonischen, bunt bemalten Drachenboote. – „Sobald der Motor tuckert und man sich vom Ufer entfernt, lässt man das geschäftige Treiben der Stadt hinter sich. Die Fahrt flussaufwärts ist wie eine Meditation: Man beobachtet Fischer bei ihrer Arbeit und sieht das üppige Grün der Uferlandschaft an sich vorbeiziehen.“ – Das war die Idee, aber Pustekuchen. An Bord gab es erstmal eine Verkaufsveranstaltung. Ist ja auch sehr praktisch, da hier keiner flüchten kann. Ich habe mich allerdings als resistent erwiesen, da hier hauptsächlich Seidentextilien angeboten wurden.



Das Ziel der Reise ist schon von weitem sichtbar: Die Từ Hiếu-Pagode. Mit ihrem markanten, siebenstöckigen Turm thront sie auf einem Hügel direkt am Flussufer. Sie ist nicht nur das Wahrzeichen der Stadt, sondern auch ein Ort tiefer Spiritualität. Ein Spaziergang durch die gepflegten Gartenanlagen der Pagode bietet immer wieder fantastische Ausblicke auf den gewundenen Flusslauf – ein Moment voller Ruhe, der den kaiserlichen Glanz von Huế perfekt einfängt. Hier ist mir neben den Mönchen dort vor allem ein Auto aufgefallen, welches dort ausgestellt war.



Der hellblaue Austin: Ein stilles Mahnmal der Geschichte
Tief im hinteren Bereich der Thien-Mu-Pagode stößt man auf ein Exponat, das man an diesem spirituellen Ort kaum erwarten würde: Einen gut erhaltenen, hellblauen Austin Westminster aus den 1960er Jahren. Doch dieses Auto ist weit mehr als nur ein Oldtimer; es ist ein stummer Zeuge eines der erschütterndsten Ereignisse des Vietnamkriegs.

Mit genau diesem Wagen fuhr der Mönch Thich Quang Duc im Jahr 1963 von Huế nach Saigon (dem heutigen Ho-Chi-Minh-Stadt). Dort setzte er aus Protest gegen die Unterdrückung der Buddhisten durch das damalige Regime ein Zeichen, das um die Welt ging: Er wählte den Freitod durch Selbstverbrennung. Das Foto des brennenden Mönchs, der unbeweglich in tiefer Meditation verharrte, wurde zu einem Symbol des gewaltlosen Widerstands und prägte die weltweite Wahrnehmung des Konflikts.
Die Verbotene Stadt: Auf den Spuren der Kaiser
Hinter den massiven Mauern der Zitadelle von Huế verbirgt sich ein Ort, der fast anderthalb Jahrhunderte lang für das einfache Volk absolut unerreichbar war: Die purpurrote Verbotene Stadt. Hier, im innersten Bereich der Anlage, lebte der Kaiser mit seiner engsten Familie und seinen Konkubinen. Wer diesen Bereich ohne Erlaubnis betrat, riskierte sein Leben.

Heute stehen die Tore für uns Besucher weit offen, doch die Aura des Geheimnisvollen ist geblieben. Beim Durchschreiten der prachtvollen Tore fühlt man sich sofort in die Ära der Nguyen-Dynastie zurückversetzt. Besonders beeindruckend sind:
- Die Symmetrie und Farben: Überall leuchtet das kaiserliche Gelb und das tiefe Rot der lackierten Holzsäulen. Die kunstvollen Drachenverzierungen an den Dächern und Treppen erinnern an die Macht des „Sohnes des Himmels“.
- Die Spuren der Zeit: Was Huế so authentisch macht, ist der Kontrast. Während einige Hallen prachtvoll restauriert wurden und in Gold erstrahlen, sieht man an anderen Stellen noch die Narben der Geschichte. Einschusslöcher in den Mauern und vom Moos zurückeroberte Fundamente erzählen schweigend von den schweren Zerstörungen während der Tet-Offensive 1968.
- Die kleinen Details: Es lohnt sich, den Blick von den großen Palästen abzuwenden und auf die Mosaike zu achten. Ganze Bildergalerien wurden aus zerbrochenem Porzellan und Glasflaschen an die Wände gezaubert – eine unglaubliche Handwerkskunst.




















Ein Spaziergang durch die weitläufigen Höfe und vorbei an den stillen Teichen lässt erahnen, wie isoliert und doch prunkvoll das Leben hinter diesen Mauern gewesen sein muss. Es ist ein Ort der Stille, der einen die Hektik des modernen Vietnams für ein paar Stunden komplett vergessen lässt.
Markt Đông Ba: Das pulsierende Herz der Kaiserstadt
Wenn man den Chợ Đông Ba betritt, taucht man sofort in eine Welt ein, die alle Sinne gleichzeitig anspricht. Direkt am nördlichen Ufer des Parfüm-Flusses gelegen, ist dieser Markt weit mehr als nur eine Einkaufsstätte – er ist das soziale und kulinarische Wohnzimmer der Stadt Huế.
Ein Labyrinth aus Farben und Düften
Schon von weitem erkennt man das markante ockerfarbene Gebäude mit seinem großen Schriftzug. Doch das wahre Leben spielt sich im Inneren ab. Auf mehreren Etagen und in verwinkelten Gängen findet man hier absolut alles:
- Die Textil-Abteilung: Hier leuchten die Stoffe für die berühmten Áo Dài (die traditionellen vietnamesischen Kleider). Huế gilt als das Zentrum der Schneiderei, und nirgendwo ist die Auswahl an Seide größer.
- Das Handwerk: Zwischen Haushaltswaren und Souvenirs findet man die filigranen Kegelhüte (Nón Lá), für die Huế berühmt ist – besonders die „Gedicht-Hüte“, die gegen das Licht gehalten geheime Verse oder Bilder offenbaren.
- Die Lebensmittel: Im Erdgeschoss stapeln sich exotische Früchte, frische Kräuter und natürlich die berühmten fermentierten Spezialitäten (wie die von Cô Ti), die dem Markt seinen charakteristischen, würzigen Duft verleihen.
Das Paradies für Streetfood-Liebhaber
Der eigentliche Grund, warum viele den Đông Ba Markt besuchen, ist die Food-Court-Sektion. Huế war die Hauptstadt der Nguyen-Dynastie, und die kaiserliche Kochkunst hat ihre Spuren in der Garküchen-Kultur hinterlassen. Man sollte unbedingt probieren:
- Bún Bò Huế: Die weltberühmte, kräftige Rindersuppe mit Zitronengras.
- Bánh Bèo & Bánh Lọc: Kleine, gedämpfte Reiskuchen-Spezialitäten, die oft in Bananenblättern serviert werden.
- Chè: Süße Suppen oder Desserts in unzähligen Variationen – perfekt für eine Abkühlung zwischendurch.












Und dann war da ja noch …
Ja, Weihnachten! Unsere Vietnamreise fiel genau in die Weihnachtszeit 2025. Den Heiligabend erlebten wir bei einem leckeren Menü im „Nhà hàng Vườn Khế“ – „Les Jardins de la Carambole“. Schöne Atmosphäre im französischen Kolonialstil mit Klaviermusik zur Begleitung. Ich saß direkt am offenen Fenster mit einem tollen Blick in Richtung Verbotene Stadt. Da komme ich heute noch ins Schwärmen.
Jenseits der Stadtmauern: Die Paläste für die Ewigkeit
Wer glaubt, mit der Verbotenen Stadt bereits alles gesehen zu haben, der hat das Umland noch nicht gesehen und sollte dem Parfüm-Fluss weiter stadtauswärts folgen. In der hügeligen Landschaft rund um Huế verbergen sich die Kaisergräber der Nguyen-Dynastie sowie viele kleine Tempelanlagen.
Es sind jedoch keine Gräber im klassischen Sinne, wie wir sie kennen. Es sind riesige Parkanlagen, Seen und Palastkomplexe, die sich die Kaiser oft schon zu Lebzeiten als Sommerresidenzen und Orte der Kontemplation errichten ließen. Jedes Grab spiegelt dabei die Persönlichkeit des jeweiligen Herrschers wider. Auch viele sehr schöne Tempelanlagen liegen in den Bergen südlich von Huế verstreut. So viele, die konnten wir unmöglich alle besuchen. Unsere Auswahl bestand aus:
- Lăng Tự Đức: Mausoleum von Kaiser Tu Duc, es wirkt fast wie ein verwunschener Garten. Man erzählt sich, dass der Kaiser hierher kam, um Gedichte zu schreiben, während er seinen eigenen Grabkomplex bereits zu Lebzeiten genoss.
- Chùa Từ Hiếu und Tháp bảo Hòa thượng Tánh Thiên Nhất Định: Zwei Buddistische Tempel, direkt neben dem …
- Khu mộ Thái giám triều Nguyễn: Das Eunuchengrab in der Tu-Hieu-Pagode in Huế ist ein Ort mit vielen berührenden Geschichten über das Leben und die Tragödien der Eunuchen in der Nguyen-Dynastie.
Außerdem haben wir unterwegs gesehen, wie traditionell die Räucherstäbchen in verschiedenen Duftrichtungen hergestellt werden. Bilder gibt es an dieser Stelle aus gutem Grunde nicht, denn an diesem Tag es geschifft ohne Ende. Das war jetzt nicht unbedingt schlecht, denn ich wollte schon lange mal wieder einen tropischen Regen erleben. Und zufällig war ich teilweise gut ausgerüstet, denn hier kam die im ersten Teil des Vietnam Reiseblogs beschriebene Regenjacke zum Einsatz. Die hat nicht alles an Regen abgehalten und insbesondere meine Jeans war anschließend durchnässt, aber zumindest hatten wir warmen Regen. Mir hat es gefallen und bis zum Weiterflug nach Saigon war die Hose auch schon wieder trocken.


Vor unserem Flug von Huế nach Saigon gab es aber noch ein hervorragendes Mittagessen im Nhà hàng Pinetree House. Sehr modern und nicht so ganz im traditionellen vietnamesischen Stil, aber inmitten einer schönen Gartenanlage habe ich hier sehr gut gegessen.
Dies war, trotz der vielen Programmpunkte sowie des Weiterflugs und des Regens, für mich ein sehr entspannter Tag. Das lag vor allem wohl auch daran, dass unser Reiseleiter alles sehr souverän im Griff hatte und der Busfahrer die Ruhe in Person war. Was bei dem Verkehr in Vietnam nicht immer so einfach ist. War ich von der letzten geführten Reise in Indien latent immer leicht im Stress, kam hier richtig Urlaubsfeeling auf. Diese Reise gefiel mir immer besser😊
Rikschafahrt durch Huế unter Aufsicht durch unseren tollen Guide Trung Nguyễn. Ich glaube wir hatten alle viel Spaß an diesem Tag.


Cats of Indochina
Es gibt nicht viele Katzen in Vietnam und Kambodscha, aber ich habe welche erspäht 🐱
Interessanterweise habe ich sehr viele in Tempeln gesehen. Aber die kleinen Stromer waren ja sogar schon im alten Ägypten nahezu heilig.
















