Angkor Wat – Siem Reap

„Lost inside Cambodia“ – um auch diesen Teil des Reiseberichts mit einem Zitat zu beginnen. Doch natürlich trifft dieses hier ebenso wenig zu, denn unser hervorragender Reiseleiter Yim Savy hatte alles fest im Griff. In Kambodscha wurden wir von einem neuen Guide betreut, nachdem uns Trung Nguyen in Vietnam verlassen hatte. SKR hatte somit für jedes Land einen eigenen Spezialisten organisiert, der unserer Gruppe Land, Leute, Kultur und Traditionen näherbrachte. Alles war perfekt geplant.

Info: Einfach mal die Bilder zum Vergrößern anklicken.

Wir kamen gegen Abend am Flughafen „Siem Reap-Angkor International“ an und wurden umgehend zu unserem Hotel „The Khmer House – Secret Oasis“ gebracht. Ein traumhaftes Haus mit exzellenten Zimmern, hervorragendem Service und einer sehr fotogenen Poollandschaft.

Gar nicht weit weg gelegen vom Zentrum von Siem Reap, konnte man zum Beispiel den Nachtmarkt bequem zu Fuß erreichen. Das hatte unser Reiseleiter wirklich perfekt ausgesucht. Ich würde auch alleine immer wieder in dieses Hotel zurückkehren.

Die nächsten zwei Tage standen dann ganz im Zeichen der berühmten Tempelanlagen um die alte Hauptstadt Angkor Thom.

Angkor Thom ist weit mehr als nur ein Tempel – es ist ein gigantisches architektonisches Statement. Während Angkor Wat als religiöses Heiligtum beeindruckt, war Angkor Thom (wörtlich: „Die große Stadt“) das pulsierende, befestigte Herz des Khmer-Reiches. Gegründet wurde die Stadt Ende des 12. Jahrhunderts von König Jayavarman VII., nachdem die vorherige Hauptstadt von den Cham zerstört worden war. Mit einer Fläche von etwa 9 Quadratkilometern war sie zur Zeit ihrer Blüte eine der größten Städte der Welt.

Die Stadt ist ein perfektes Quadrat, umgeben von einer 8 Meter hohen Mauer und einem 100 Meter breiten Wassergraben. In der Symbolik der Khmer stellt dieser Graben den Urozean dar, während die Stadtmauern die Gebirgsketten symbolisieren, die die Welt umschließen.

ខ្លោងទ្វារខាងត្បូង ឬខ្លោងទ្វារទន្លេអុំ – Südtor nach Angkor Thom

In die Stadt führen fünf Tore (eines in jede Himmelsrichtung, plus das „Siegestor“ im Osten). Diese Tore sind bereits eine Sehenswürdigkeit für sich:

  • Die Elefanten: Die Toreingänge sind mit riesigen Stein-Elefanten verziert, die Lotosblüten mit ihren Rüsseln halten.
  • Die Gesichter: Über jedem Tor thronen vier gewaltige Gesichter, die in alle Richtungen blicken – ein Vorgeschmack auf den Bayon-Tempel im Zentrum.

Vor den Toren überquert man eine Brücke über den Wassergraben, die von einer Reihe von Steinstatuen gesäumt sind:

  • Auf der einen Seite stehen 54 Devas (Götter), auf der anderen 54 Asuras (Dämonen).
  • Sie halten den Körper einer riesigen Schlange (Naga). Dies stellt den Schöpfungsmythos des „Quirlens des Milchozeans“ dar.

ប្រាសាទបាយ័ន – Bayon Tempel – Das „Gesicht“ von Angkor Thom

Der Bayon steht im exakten Zentrum der befestigten Stadt Angkor Thom. Während Angkor Wat durch seine gewaltigen Ausmaße beeindruckt, ist der Bayon berühmt für seine Komplexität. Das markanteste Merkmal sind die 216 riesigen Steingesichter, die von den Türmen in alle vier Himmelsrichtungen blicken.

  • Das Lächeln: Die Gesichter tragen ein sanftes, rätselhaftes Lächeln. Man geht davon aus, dass sie entweder den Bodhisattva Avalokiteshvara darstellen oder die Züge von König Jayavarman VII. tragen – oder eine Kombination aus beidem.
  • Architektur: Im Gegensatz zu den strengen Linien anderer Tempel wirkt der Bayon fast wie ein steinerner Wald oder ein zerklüfteter Berg.

Ein Ort der Stille: Der Katzenschrein im Bayon

Mitten in dem steinernen Labyrinth des Bayon, zwischen den hunderte Jahre alten, lächelnden Gesichtern, stießen wir auf einen Ort voller Leben: Ein kleiner, aktiver Schrein, geschmückt mit bunten Opfergaben und duftenden Räucherstäbchen. Hier scheint die Zeit einen anderen Rhythmus zu haben. Während die Touristenströme an den monumentalen Türmen vorbeiziehen, herrscht bei den dort lebenden Mönchen eine tiefe Gelassenheit.

Besonders charmant: Der Schrein ist fest in der Hand (oder eher in den Pfoten) zahlreicher Katzen. Sie liegen völlig tiefenentspannt auf den warmen Sandsteinstufen oder beobachten neugierig das Geschehen aus dem Schatten der Buddha-Statuen. Es ist ein friedliches Miteinander von Mensch und Tier, das dem mystischen Tempel eine ganz nahbare, fast familiäre Note verleiht. Ein kurzes Innehalten hier, begleitet vom leisen Murmeln der Gebete und dem Schnurren der Tempelkatzen, war mein persönliches Highlight des Tages.

Der Segen der Mönche: Ein Band für die Reise

Ein Mönch bedeutete uns, näher zu kommen. Mit einer rituellen Ruhe knüpfte er uns jeweils ein zweifarbiges Band in Orange und Rot um das Handgelenk.

Yim erklärte uns die Bedeutung hinter dieser Geste: Es ist ein Schutz- und Segensband (oft Ksae Kamoew genannt). Die Farben sind dabei kein Zufall – Orange steht traditionell für die spirituelle Reinheit und den Buddhismus, während Rot Kraft, Glück und Schutz symbolisiert. Bevor der Mönch bei jedem Teilnehmer unserer Reisegruppe das Band verknotet hat, sprach er ein kurzes Gebet und einen Segen (Pithi Chang Dai), der den Reisenden Glück bringen und vor negativen Einflüssen bewahren soll. Man trägt dieses Band so lange, bis es von selbst abfällt – ein schönes, farbiges Andenken, das uns noch lange an die Ruhe im Bayon erinnern wird.

Nun ja – und dass dieser Mönch dort saß, war auch kein Zufall, sondern hatte natürlich einen handfesten finanziellen Hintergrund, da er von Yim dafür bezahlt wurde. Eine klassische Win-win-win-Situation: Die Reiseversicherung (Glück und Schutz) für uns, der Lebensunterhalt für die Mönche und – so hoffe ich zumindest – Futter für die Katzen. 😉

ខ្លោងទ្វារដីឆ្នាំង(ទិសខាងជើង) –

Nordzugang nach Angkor Thom mit dem Dei Chnang Tor

Wir verließen Angkor Thom durch das Nordtor. Yim hatte hier einen Fotostopp für uns eingeplant, und so erhielten wir – man möge mir den Vergleich mit „Game of Thrones“ gestatten – ein perfektes Motiv des „Vielgesichtigen Gottes“. Ein Vergleich, der natürlich hinkt, da jener der Gott des Todes ist – im totalen Gegensatz zu den hier doch eher vergnüglich dreinblickenden Gesichtern.

ប្រាសាទ តាព្រហ្ម – Tha Phrom Tempel

Der Ta Prohm ist einer der faszinierendsten und meistfotografierten Orte in der Tempelanlage von Angkor. Im Gegensatz zu vielen anderen Tempeln, die aufwendig restauriert wurden, hat man Ta Prohm in einem Zustand belassen, der dem seiner „Wiederentdeckung“ im 19. Jahrhundert nahekommt. Ja, einigen eifrigen Filmenthusiasten ist dieser Ort aus „Tomb Raider“ bekannt – und ja, ich gebe es zu: Ich habe ein absolutes Faible für „Alice“ anstelle von „Lara Croft“. Milla Jovovich statt Angelina Jolie.

Lara bewegt sich zwischen den Wurzeln der Bäume, die für die Geschichte, die Vergangenheit und das organische Wachstum der Erde stehen. Sie sucht nach dem, was unter diesen Wurzeln verborgen liegt. Die „Wurzeln“ von Alice hingegen sind absolut künstlich und rein. Während Lara durch jahrhundertealte Natur klettert, wird Alice durch die Wurzeln der Umbrella Corporation definiert. Doch an dieser Stelle möchte ich dieses Kapitel der Populärkultur hinter mir lassen, um in die absolut faszinierende Natur einzutauchen, die diesen Tempel langsam zurückerobert. Der Fotograf in mir obsiegt den Ingenieur.

Der Tempel wurde Ende des 12. Jahrhunderts (um 1186 n. Chr.) von König Jayavarman VII. in Auftrag gegeben. Er wurde als mahayana-buddhistisches Kloster und Universität errichtet und war der Mutter des Königs gewidmet. Der ursprüngliche Name war Rajavihara („Königliches Kloster“). Inschriften belegen, dass der Komplex einst eine enorme Bedeutung hatte. Über 12.000 Menschen lebten und arbeiteten hier, darunter hunderte Priester und Tänzerinnen. Zudem kontrollierte der Tempel die Ressourcen von tausenden umliegenden Dörfern. Umso erstaunlicher, dass mir in der Tat einige doch recht eindrucksvolle Fotos ohne die vielen Touristen ringsum gelungen sind.

Das markanteste Merkmal von Ta Prohm sind die gewaltigen Würgefeigen und Kapokbäume, deren Wurzeln über die Jahrhunderte tief in das Mauerwerk eingedrungen sind. Sie halten die Steine teilweise wie riesige Klauen zusammen, während sie sie an anderen Stellen langsam sprengen. Diese visuelle Verschmelzung von Ruinen und Dschungel verleiht dem Tempel eine mystische Atmosphäre.

ប្រាសាទអង្គរវត្ត – Angkor Wat

Zwischen Schlangenwächtern und Lotus-Türmen: Mein Weg durch Angkor Wat

Nach dem Mittagessen und einer kurzen Tuk-Tuk-Fahrt lag er dann vor uns: Angkor Wat. Dass wir genau zu dieser Stunde hier standen, war kein Zufall, sondern der vorausschauenden Planung unseres Reiseleiters Yim Savy zu verdanken. Er hatte ganz bewusst den Nachmittag gewählt, da Angkor Wat als einziger der großen Tempel nach Westen ausgerichtet ist und nun von der tiefer stehenden Sonne förmlich zum Leuchten gebracht wurde. Es ist dieses warme, goldene Licht, das die Konturen der fünf Lotus-Türme erst so richtig plastisch hervorhebt. Ein großes Lob an Yim – dieses Timing hat den Moment atmosphärisch und fotografisch auf ein ganz anderes Level gehoben. Dabei zeigte er uns auch die Orte, die schöne Aufnahmen von Angkor Wat als Wasserspiegelung ermöglichten.

Die Wächter der Brücke

Bevor wir das eigentliche Heiligtum betraten, überquerten wir den gewaltigen Sandstein-Damm, der über den schier endlosen Wassergraben führt. Gleich zu Beginn ragen links und rechts imposante, fingerartige Skulpturen in die Höhe. Yim erklärte uns, dass dies die fächerförmig aufgespreizten Köpfe der Nagas sind – siebenköpfige Schlangenwesen, die als Wächter der Gewässer gelten. Ihre Körper bilden die monumentale Balustrade der Brücke. In der Mythologie symbolisiert dieser Weg den Regenbogen, der die Welt der Menschen mit der Welt der Götter verbindet.

Der Weg über den symbolischen Ozean

Wir überquerten den breiten Sandstein-Dammweg, der über den riesigen Wassergraben führt. Yim erklärte uns dabei, dass dieser Graben den kosmischen Ozean darstellt, der den Berg Meru umschließt. Mit dem glitzernden Wasser zu beiden Seiten näherten wir uns langsam dem monumentalen Westtor, dem Haupteingang in diese göttliche Welt.

Das Geheimnis der Unsterblichkeit: Das Quirlen des Milchozeans

Während wir an den schier endlosen Galerien entlangschritten, blieb Yim vor einem besonders detailreichen Relief stehen. Er erzählte uns die Geschichte vom „Quirlen des Milchozeans“ – ein kosmisches Tauziehen zwischen Göttern (Devas) und Dämonen (Asuras).

Die Szene ist spektakulär: In der Mitte steht der Gott Vishnu, während links und rechts insgesamt 188 Figuren an einer riesigen Schlange ziehen, die sich um den Berg Mandara windet. Ihr Ziel? Das Elixier der Unsterblichkeit (Amrita) aus den Tiefen des Urmeeres zu gewinnen.

Während sie den Ozean tausend Jahre lang quirlten, stiegen wunderbare Wesen aus dem Schaum auf – unter anderem die tausenden Apsaras, jene himmlischen Tänzerinnen, die uns überall im Tempel von den Wänden entgegenlächelten. Es fühlte sich in diesem Moment so an, als würde die untergehende Sonne die steinernen Figuren für einen kurzen Augenblick zum Leben erwecken.

Der Aufstieg zum Herzen des Tempels

Unser Weg führte uns weiter schnurgerade nach Osten, immer tiefer in das Herz der Anlage, bis wir vor dem zentralen Turm standen: dem Bakan. Der Aufstieg über die steilen Treppen ist schweißtreibend, aber der Blick von oben über den gesamten Komplex und den angrenzenden Dschungel ist unbeschreiblich. Hier oben scheint die Zeit stillzustehen, während die Welt unter einem langsam in das warme Gold der Abenddämmerung eintaucht.

Sonnenuntergang am Srah Sran See

Zum Abschluss des Tages brachten uns unsere fleißigen Tuk-Tuk Fahrer dann zum Srah Sran See für einen perfekten Sonnenuntergang. Bei einem eisgekühlten Bier ließen wir den Tag in aller Ruhe ausklingen – phantastisch.

Der nächste Tag sollte uns weitere Tempelabteuer bescheren. Am Morgen wurden wir bereits von unseren freundlichen Tuk-Tuk Fahrern begrüßt und wiederum in die Tempellandschaft um Angkor Thom gefahren. Heute standen vier Tempel auf dem Programm

បន្ទាយស្រី – Banteay Srei Tempel

Nach den gewaltigen Ausmaßen von Angkor Wat und den mystischen Gesichtern des Bayon führte uns Yim Savy etwa 25 Kilometer weiter nach Norden zum Banteay Srei. Schon beim Betreten merkt man: Hier ist alles anders. Statt grauem Sandstein dominiert hier ein leuchtender, rosafarbener Ton, und statt schierer Größe beeindruckt dieser Tempel durch seine unglaubliche Detailverliebtheit.

Stein wie Spitze: Die Kunst der Steinmetze

Der Name bedeutet übersetzt „Zitadelle der Frauen“ (oder auch „Zitadelle der Schönheit“), und wenn man vor den Reliefs steht, versteht man sofort, warum.

Dank des eisenhaltigen, roten Sandsteins sind die Gravuren auch nach über tausend Jahren so scharfkantig erhalten, dass man jede einzelne Locke der tanzenden Nymphen und jedes Blattwerk in den Türstürzen erkennen kann.

Auch hier zeigte mir Yim einige wunderschöne Perspektiven, die diese Bilder mit der Spiegelung des Tempels im Wasser ermöglichten. Ich finde diese sogar noch schöner als bei Angkor Wat.

Die Wächter des Heiligtums: Die Affenkrieger

Yim führte uns tiefer in den Tempelhof, und plötzlich standen sie vor uns: Die Affenkrieger, die kniend die Eingänge zu den zentralen Türmen bewachen. Diese Figuren mit ihren muskulösen Körpern und den markanten Affen- (und Affenmensch-) Köpfen wirken unglaublich lebendig, fast so, als würden sie jeden Moment aufspringen.

Tatsächlich sind es Nachbildungen, die Originale sind aus Sicherheitsgründen im Nationalmuseum in Phnom Penh zu sehen, aber ihre Anwesenheit hier ist unverzichtbar für die Stimmung des Ortes. Sie stammen aus der hinduistischen Mythologie des Ramayana, in der Hanuman und sein Affenheer dem Gott Rama halfen. Ihre Aufgabe hier ist es, das Allerheiligste vor bösen Geistern zu schützen.

ប្រាសាទបន្ទាយសំរ៉ែ – Banteay Samre – Ein Zwischenstopp

Auf dem Rückweg von Banteay Srei machten wir noch einen kurzen Halt beim Banteay Samré. Nach dem ganzen Prunk und den feinen Details der „Zitadelle der Frauen“ wirkte dieser Tempel fast schon erfrischend schlicht und solide. Es gibt hier keine Menschenmassen, keine Souvenirstände direkt am Eingang – eigentlich waren wir fast die einzigen Besucher.

Der Tempel ist kompakt, festungsgleich von Mauern umschlossen und wirkt mit seinem grauen Sandstein sehr kompakt und ehrlich. Yim erklärte uns, dass er stilistisch eng mit Angkor Wat verwandt ist, was man an den bulligen Türmen sofort erkennt. Wir sind einmal gemütlich durch den inneren Hof geschlendert, haben die Ruhe genossen und den Blick auf die massiven Steinmetzarbeiten schweifen lassen, ohne von Fotomotiv zu Fotomotiv zu hetzen.

ប្រាសាទប្រែរូប – Pre Rup Tempel – Die brennende Pyramide

Auf dem weiteren Weg passierten wir den Pre Rup, einen imposanten Tempelberg aus rötlichem Laterit und Ziegelstein. Er wirkt wie eine gewaltige Pyramide, die sich über den Dschungel erhebt. Yim erklärte uns, dass dies einst ein Staatstempel war, der dem Gott Shiva geweiht wurde. Sein Name bedeutet übersetzt etwa „den Körper wenden“, was auf alte Bestattungsrituale hindeutet – ein Ort mit einer sehr kraftvollen, fast schweren Energie.

Ich muss allerdings gestehen: Zu diesem Zeitpunkt war ich schlichtweg zu müde, um die extrem steilen und hohen Stufen bis zur obersten Plattform zu erklimmen. Eine gewissen Tempelmüdigkeit setzte sich bei mir langsam durch. Die Hitze des Tages und die unzähligen Eindrücke forderten ihren Tribut. Ich blieb unten stehen, hielt den Moment mit einem Foto von der beeindruckenden Außenansicht fest und genoss einfach das warme Licht, das die roten Ziegelsteine förmlich zum Brennen brachte. Manchmal ist der Blick von unten, in aller Ruhe und ohne den Puls in die Höhe zu treiben, genau der richtige Abschluss vor dem Mittagessen.

ប្រាសាទព្រះខ័ន – Preah Khan Tempel – Das Finale im Dschungel

Nach dem Mittagessen machten wir uns auf den Weg zu unserem letzten Ziel des Tages – dem Preah Khan. Unser Reiseleiter Yim Savy bewies hier noch einmal sein ganzes Gespür für Inszenierung. Er führte uns nicht einfach zum Haupteingang, sondern wählte ganz bewusst einen schmalen Pfad durch den dichten Wald.

Es hatte etwas fast Magisches, wie die gewaltigen Baumkronen das Licht filterten und die Ruinen erst ganz langsam, Stein für Stein, zwischen den Blättern sichtbar wurden. Dieser „Entdecker-Moment“ war die perfekte Belohnung für die Strapazen des Tages. Yim erklärte uns, dass Preah Khan einst eine riesige Tempelstadt und buddhistische Universität war, doch heute wirkt der Ort vor allem wie ein Schauplatz für einen Kampf zwischen Architektur und Natur.

Ein Labyrinth aus Stein und Wurzeln

Sobald man das Innere betritt, merkt man, dass Preah Khan („Das heilige Schwert“) eine ganz eigene, wildere Energie hat als Angkor Wat. Es ist ein schier endloses Labyrinth aus kreuzförmigen Gängen. Yim erklärte uns, dass hier einst über 100.000 Menschen lebten und arbeiteten – es war eine buddhistische Universität und ein spirituelles Zentrum.

Besonders faszinierend fand ich die Symbiose aus Architektur und Natur. Man wandert durch dunkle Korridore, in denen es nach feuchtem Stein und Moos duftet, nur um plötzlich wieder in einem lichtdurchfluteten Innenhof zu stehen, wo die Natur die Oberhand gewonnen hat.

Das zweistöckige Rätsel

Ein echtes Highlight, das Yim uns zeigte, war das ungewöhnliche zweistöckige Gebäude mit den runden Säulen. Es sieht fast griechisch oder römisch aus und ist absolut einzigartig in der gesamten Khmer-Architektur. Bis heute rätseln Forscher, wofür es genau diente – vielleicht als Bibliothek oder zur Aufbewahrung des heiligen Schwertes, das dem Tempel seinen Namen gab.

Obwohl die Beine nach diesem langen Tag nun doch langsam schwer wurden, hat mich die mystische Atmosphäre im Inneren von Preah Khan so gefesselt, dass ich jede Ecke mit der Kamera festhalten musste. Es war der perfekte, tief beeindruckende Abschluss unserer Tour.

Allgegenwärtig, meist friedlich, niedlich und neugierig, aber auch räuberisch: Javaneraffen – oder auch einfach Makaken genannt. Man findet sie recht häufig in der Nähe der Tempel, immer auf der Suche nach etwas Fressbarem. Äußerst intelligent, anpassungsfähig und sozial gut organisiert, gilt als „Kulturfolger“, da er die Nähe zum Menschen nicht scheut. Und obwohl friedlich im Umgang miteinander, ist er opportunistisch und blitzschnell, wenn es um Essbares geht. In Touristengebieten hat er gelernt, dass Taschen und Kameras oft Beute versprechen. Also bitte aufpassen, wenn Affen in der Nähe sind!

Das war dann aber auch wirklich mein letzter Tempelbesuch für diesen Trip – und das, obwohl es um Angkor Thom herum eine schier endlose Anzahl an weiteren Tempeln und kleinen Schreinen zu entdecken gäbe. Genug „Futter“ also für weitere Reisen nach Siem Reap.

Dass wir all dies so entspannt erkunden konnten, lag vor allem an unserem treuen Gefährt: dem Tuk-Tuk. Unser „Pilot“ war ein wahrer Segen – nach jeder noch so schweißtreibenden Tempelwanderung erwartete er uns bereits am Wagen mit eisgekühlten Getränken und herrlich erfrischenden Tüchern. In diesen Momenten, mit einem kalten Wasser in der Hand und dem Fahrtwind im Gesicht, ließ sich das Erlebte am besten Revue passieren lassen.

បឹងទន្លេសាប – Tonle Sap See

Der Tonle Sap ist das „schlagende Herz“ Kambodschas und ein wahres Naturwunder. Er ist der größte Süßwassersee Südostasiens und besitzt eine faszinierende Besonderheit: Zweimal im Jahr wechselt sein Zufluss die Richtung, wodurch der See in der Regenzeit auf das Fünffache seiner ursprünglichen Größe anschwellen kann.

Hier sind ein paar Highlights, die den See so besonders machen:

  • Schwimmende Dörfer: Ganze Gemeinden leben in bunten Häusern auf Stelzen oder direkt auf Hausbooten. Es gibt dort schwimmende Schulen, Kirchen und sogar Gemüsegärten, die sich dem wechselnden Wasserstand perfekt anpassen.
  • Artenreichtum: Der See gilt als eines der fischreichsten Binnengewässer der Welt und ist ein UNESCO-Biosphärenreservat. Er bietet unzähligen Wasservögeln und seltenen Tierarten ein Zuhause.
  • Magische Sonnenuntergänge: Eine Bootsfahrt zum Abendessen bietet oft einen weiten, goldenen Horizont, der den See wie ein riesiges Meer erscheinen lässt. Gerade deswegen gibt es die Floating Restaurants, wie auf meinen Bilder zu sehen. Leider konnten wir aber aufgrund unseres Abflugs nach Hause am gleichen Abend dieses Spektakel nicht mehr genießen.

Da an diesem Tag Nachmittags die Rückreise über Hanoi nach Deutschland geplant war, hatten wir noch einen halben Tag in Siem Reap zur Verfügung. Ich wollte unbedingt noch den Tonle Sap See sehen und deswegen haben wir kurzer Hand über einen lokalen Reiseführer privat eine Tour zum Tonle Sap gebucht. Die Tour beinhaltete die Abholung am Hotel und die Anfahrt zum See, eine Tour durch das schwimmende Dorf zu einem kleinen Restaurant mit einer Krokodilfarm und natürlich den Rückweg. Hier bin ich wirklich wieder von SKR beeindruckt, die uns, trotz sehr gutem Programm, die Flexibilität ließen, auch etwas auf eigene Faust zu unternehmen. Yim hatte uns zwar auch die Eintrittskarten zu den Ruinen von Angkor überlassen, so dass wir dort nochmals hätten hinfahren können. Aber mir stand jetzt wirklich mal der Sinn nach Abwechslung.

Siem Reap Fluss

Der Siem Reap Fluss (Stung Siem Reap) ist weit mehr als nur ein Gewässer – er ist die Lebensader der Region und ein technisches Meisterwerk der alten Khmer. Was viele nicht wissen: Der Fluss in seiner heutigen Form ist zum Teil ein Werk antiker Ingenieurskunst. Während der Angkor-Periode (ca. 9. bis 15. Jahrhundert) gruben die Khmer Kanäle, um Wasser vom Kulen-Gebirge umzuleiten. Über die Jahrhunderte entwickelte dieser Kanal eigene Mäander und ein natürliches Ökosystem, weshalb er heute als Fluss klassifiziert wird.

Der Fluss war und ist entscheidend für den Bau und den Erhalt der Tempel. Er diente als Transportweg für die riesigen Steinblöcke aus denen Angkor Wat erbaut worden ist. Die Sandsteine wurden auf Flößen aus den Steinbrüchen der Kulen-Berge herangeschafft.

Zudem speist das Grundwasser, auf dem die massiven Steintempel buchstäblich „schwimmen“. Ein stabiler Wasserspiegel ist bis heute notwendig, damit das sandige Fundament unter Angkor Wat nicht absackt und der Tempel stabil bleibt.

Er entspringt im Phnom Kulen Nationalpark, wo er über die berühmten Wasserfälle und das „Tal der 1000 Lingas“ (im Flussbett eingravierte Symbole) fließt, bevor er nach etwa 80 km in den Tonle Sap, den größten Süßwassersee Südostasiens, mündet.

Auf unserer Tour den Siem Reap River runter zum Tonle Sap passierten wir viele schwimmende Häuser, Geschäfte und sogar eine Schule. Nach den sandsteinfarbenen Tempelerfahrungen, war dieses schwimmende Dorf die reinste Farbenflut. Die Häuser, meist in kräftigem blau bemalt, wurden von dem saftigen Grün des Umlands eingerahmt und von bunten Booten durchkreuzt. Die Boote der Einwohner sind die reinsten Speedboote. Ein PS kräftiger Motor treibt über eine starre, lange Welle direkt einen Propeller im Wasser an. Bei Richtungsänderungen wird der komplette Motor mit der Welle gedreht. Während unser kleines Ausflugsboot gemächlich dahin fuhr, wurden wir mehrmals von diesen skurielen Gefährten überholt. Übrigens war auch hier immer gut Sichtbar das Augenpaar am Bug aufegmahlt, dessen Hintergrund ich bereits hier beschriebene hatte: „Die Seele des Schiffes„.

Und dann kamen wir zum Tonle-Sap-See. Eine riesige Wasserfläche tat sich vor uns auf. Unser Kapitän steuerte jedoch nach Backbord, vorbei an diesem Mini-Tempel auf dem Wasser, direkt zum „Tonle Sap Floating Restaurant“. Auf dem See konnten wir unter anderem ein anderes schwimmendes Party-Restaurant sowie die „Queen Tara“ sehen. Äußerlich ein richtiger Seelenverkäufer, verwandelt sich dieser schmucke Kahn abends in eine Top-Location mit „Sunshine Dinner“ – nun ja, zumindest der Sage nach.

Unser Ziel beherbergte neben dem Restaurant auch eine Reptilienfarm mit Fröschen, Schlangen und vor allem Krokodilen. Während die Tiere fotografisch ein kleiner Leckerbissen waren, konnte ich mir den kulinarischen Genuss gut verkneifen.

Die Queen Tara wurde in den 1920er-Jahren als Lastkahn gebaut und war über Jahrzehnte auf dem Mekong und Tonle Sap im Einsatz. In den 1960er-Jahren diente sie als schwimmendes Krankenhaus für abgelegene Dörfer; später befand sie sich sogar im Besitz von Prinz Norodom Sirivudh. Ein interessantes technisches Detail ist, dass die Queen Tara heute zu 100 % mit Solarenergie betrieben wird. Überschüssige Energie wird laut Betreiber oft an die lokalen schwimmenden Dörfer abgegeben. Auf dem Foto kann man einige der Solarzellen mittschiffs erkennen.

Die Reptilien-Farm

* An dieser Stelle möchte ich darauf hinweisen, dass meines Wissen nach, der Tigerpython nach dem Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) geschützt ist.

Damit ging – leider viel zu schnell – der Urlaub in Vietnam und Kambodscha zu Ende. Ich habe unzählige Eindrücke und Erfahrungen mit nach Hause genommen. Ich bin sehr froh, diese Reise unternommen zu haben; auch die Reisezeit war absolut perfekt. Einzig einen Punkt würde ich beim nächsten Mal anders planen: Für die Anreise ist der Flughafen München für mich die erste Wahl. Ab Frankfurt zu fliegen, ergibt für mich wenig Sinn.

Vietnam war klasse – ein toller Mix aus Moderne und Tradition. Kambodscha hat allerdings noch besser in mein Bild von Asien gepasst. Siem Reap ist ein fantastischer Ort, der vor allem abends mit seinen vielen kleinen Läden und den hervorragenden Restaurants zum Bummeln einlädt. Die großartige Kultur mit den begehbaren Tempelanlagen ist schlicht umwerfend; ich hätte hier noch Wochen verbringen können. Ich hoffe, ich konnte dem geneigten Leser mit diesem Bericht, vor allem aber mit den Fotos, Lust auf diese Region machen.

Abschließend möchte ich betonen, dass die Bilder weder von einer KI stammen, noch mit Photoshop oder ähnlichen Programmen retuschiert wurden. Es mag manchmal so scheinen, als wären außer uns keine weiteren Touristen vor Ort gewesen, doch der Schein trügt. Geduld und die richtige Perspektive sind hier der Garant für Aufnahmen ohne die üblichen Besucherströme. Zwar schließen sich Geduld und ein straff geplantes Reiseprogramm prinzipiell aus, doch auch hier gilt mein Dank abermals Yim Savy. Er war die Ruhe in Person und hat die Tour mit viel Erfahrung und Professionalität geleitet. Leider lässt sich – wie so oft – nicht alles beschreiben, was ich erlebt habe. Und wahrscheinlich habe ich ohnehin schon viel zu viel geschrieben.